Kleines Tennislexikon

Tennis – Von Mönchen erfunden


Ein Kloster in Frankfreich (c) dpa
Vielleicht wurde auch in diesem französischen Kloster mal Tennis gespielt.
Vor rund 800 Jahren wurde in den französischen Klöstern das „jeu de paume“ gespielt. Um sich zu bewegen und die Langeweile zu vertreiben, schlugen junge Mönche Lederbälle mit der Hand gegen die Wand des Klosterhofs. "Jeu de paume" heißt übersetzt: "Das Spiel mit der Handfläche".

Das besondere am "jeu de paume" war, dass der Aufschlag immer bis zum schräg abfallenden Klosterdach hinauf geschlagen werden musste. Der Ball kullerte dann herunter und wurde vom Mitspieler mit der flachen Hand gerade gegen die Wand geschlagen. Der, der aufgeschlagen hatte versuchte nun den von der Wand abprallenden Ball zu erreichen und wiederum mir der flachen Hand gegen die Wand zu donnern.



Auch Bürger und Bauern spielten und wetteten

Als bei Besuchen der Klöster die Bauern und Bürger dieses lustige Spiel sahen, begannen auch sie dieses Spiel zu spielen. Die Mönche waren davon nicht begeistert: Der Lärm beim Spiel mit so vielen Leuten störte ihre Gottesdienste und die Fürsten waren besorgt über die Wettleidenschaft der Bauern.

Einige Bauern verspielten ihre Häuser und alle ihre Tiere, weil sie ihre Vermögen auf den falschen Spieler gesetzt hatten. Die Landesfürsten reagierten: Ab sofort benötige man eine Genehmigung für das Schlagen von Bällen gegen die Wand. Wer ohne Erlaubnis dieses wilde Spiel betrieb, hatte mit empfindlichen Strafen zu rechnen.


Die reichen Leute spielten weiter

Keinesfalls war dies das Ende des Spiels, sondern der Anfang des Tennissports für die reichen Leute, denn der Adel bekam die Genehmigungen und baute große Freiluftstadien mit einer Mauer und einem schrägen Dach für den Aufschlag.


Schläger- und Bällemacher wird zum Beruf

Ein Tennisspieler (c) dpa
Da vielen Tennisspielern nach dem Spiel immer wieder die Hand schmerzte, wurden von geschickten Handwerkern Schläger hergestellt. Die sahen fast so aus wie unsere heutigen Tennisschläger, nur eben aus Holz. Der Schläger- und Bällemacher wurde zum neuen Beruf.

Bei der Qualität der Bälle (ungefähr schon so groß wie unsere heutigen Tennisbälle), gab es erhebliche Unterschiede. Minderwertige Qualität war aus schlecht vernähten Lederstücken und mit Sand gefüllt, gute Ware hatte nur wenige, aber gut verschnürte Nahtstellen und war mit Haaren von Menschen und Tieren oder mit Wolle gefüllt.

Für die Meisterprüfung musste der Handwerker Schläger und Bälle von guter Qualität herstellen und auch noch zwei anerkannte Tennisprofis in einem Match besiegen.


Walter Clopton Wingfield entwickelte das Tennis mit Netz

Boris Becker (c) dpa
Boris Becker gewann als erster Deutscher im Jahr 1985 das Turnier in Wimbledon.
Die Flugeigenschaften eines gut gemachten Balles waren möglicherweise ein Grund, warum der Brite Major Walter Clopton Wingfield vor über einhundert Jahren die Spielwand abschaffte. Seine Idee war es, über ein Netz zu spielen und den Aufschlag ins gegnerische Feld - und nicht auf ein Dach - zu schlagen.

1877 veranstaltete der "All England Croquet and Lawn Tennis Club" in Wimbledon, einem Vorort von London, das 1. große Rasentennis-Turnier. Die Spielregeln waren fast so wie die heutigen. Und gezählt wurde wie beim "jeux de paume" in den französischen Klosterhöfen 15, 30, 40 und Spiel.



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